Häufige Fragen

Wie ist eine Wirbelsäule aufgebaut?

Die Wirbelsäule ist aus 7 Hals-, 12 Brust- und 5 Lenden-Wirbeln aufgebaut. Der unterste Lendenwirbel (L5) liegt auf dem Kreuzbein (Teil des Beckens), an welches sich das Steissbein anschliesst. Ein Wirbel ist jeweils vorne durch eine Bandscheibe und hinten durch 2 Wirbelgelenke mit dem nächsten Wirbel verbunden. Dadurch entsteht die Beweglichkeit der Wirbelsäule.

Wie kommt es zu Wirbelsäulenabnützung („Degeneration“) und was kann man dagegen unternehmen?

Durch Jahrzehnte-lange Beanspruchung werden Bandscheiben und Wirbelgelenke abgenützt. Dadurch kann es zu degenerativen Wirbelsäulen-Erkrankungen kommen mit Schmerzen, eingeschränkter Bewegungsfähigkeit, Gefühlsstörung oder Muskelschwäche. Behandlungsziel ist dann die Schmerz- und Funktions-Verbesserung zum Erhalt der Lebensqualität. Durch eine exakte Diagnosestellung beim Spezialisten kann die individuell bestmögliche Therapie eingeleitet werden: Verhaltensanpassung im Alltag, Physiotherapie, Chirotherapie, Schmerztherapie, oder in Ausnahmefällen operative Eingriffe.

Ich habe Rückenschmerzen – wann sollte ich einen Arzt aufsuchen?

Bei Rückenschmerzen, die mehr als 4-6 Wochen andauern oder die in Arm oder Bein ausstrahlen; bei Gefühlsstörung oder Schäche im Arm oder Bein; bei Schwierigkeiten mit Wasserlösen (sofern keine sonstige Blasenstörung vorhanden).

Was sind die häufigsten Ursachen von Rückenschmerzen?

Bandscheiben-Abnützung, Bandscheiben-Vorfall („Diskus-Hernie“), enger Wirbelkanal („Spinalkanal-Stenose“); Gleitwirbel, Wirbelsäulen-Verkrümmung („Skoliose“); Osteoporose-Bruch eines Wirbelkörpers.

Was ist ein Bandscheiben-Vorfall (=„Diskus-Hernie“)?

Ein Bandscheiben-Vorfall tritt bei etwa einem Prozent der Bevölkerung jährlich neu auf, ungefähr 10x häufiger in der Lendenwirbelsäule als in der Halswirbelsäule. Ein Teil des inneren knorpeligen Bandscheibengewebes tritt dabei durch den Faserring der Bandscheibe aus und drückt auf eine oder selten mehrere Nervenwurzeln. Dieser Druck kann Schmerzen im Arm oder Bein, eine Gefühlsstörung und/oder eine Schwäche im Arm oder Bein verursachen. Am besten kann ein Bandscheiben-Vorfall mit einer Magnetresonanz-Untersuchung (MRI) oder Computer-Tomographie (CT) nachgewiesen werden. Die meisten Vorfälle können ohne Operation behandelt werden: mit vorübergehender Schonung, Physiotherapie, Chirotherapie, oder gezielter Infiltration (Schmerzspritze unter Bildkontrolle). Nur bei etwa jedem Zehnten kommt es schliesslich zur Operation, nämlich bei hartnäckigen persistierenden Schmerzen im Arm oder Bein, Muskelschwäche, oder Schwierigkeiten beim Wasserlösen. Bei der Operation wird der Bandscheibenvorfall über einen kleinen Hautschnitt unter unter dem Operations-Mikroskop entfernt. Die eingeklemmte Nervenwurzel wird dadurch sofort entlastet.


Was ist ein enger Lendenwirbelkanal („Spinalkanal-Stenose“)?

Beim engen Lendenwirbelkanal sind die Nervenwurzelnin der Lendenwirbelsäule durch eine abnützungsbedingte Verengung des Wirbelkanals zusammengedrückt. Der enge Wirbelkanaltritt vermehrt mit fortschreitendem Alter, d.h. bei über 60-jährigen Patientenauf und bewirkt klassischerweise folgende Symptome: Schmerzen, Schweregefühl, Krämpfe in einem oder beiden Beinen beim Gehen und Stehen (werden in der Regel beim Sitzen wieder besser), ev. auch Gefühlsstörung oder Muskelschwäche. Der enge Wirbelkanal wird mit MRI oder CT nachgewiesen. Bei leichten Verlaufsformen können ambulant gezielte Kortison-Infiltrationen in den Wirbelkanal verabreicht werden, um die Symptome zumindest vorübergehend zu verbessern. Empfohlen wird die operative Erweiterung des Wirbelkanals bei relevanter Einschränkung des Gehens, bei Gefühlsstörungen und Muskelschwäche. Bei der Operation wird der enge Wirbelkanal unter dem Operations-Mikroskop so erweitert, dass die eingeklemmten Nerven wieder genügend Platz bekommen. Dadurch wird in der Regel bereits nach wenigen Wochen die Gehstrecke erheblich verlängert oder normalisiert und Gefühlsstörungen und Beinschwäche verbessern sich merklich.

Was ist ein enger Halswirbelkanal („zervikale Stenose“)?

Beim engen Halswirbelkanal ist das Rückenmark durch eine Verengung des knöchernen Wirbelkanalszusammengedrückt. Ein enger Halswirbelkanal kann typischerweise folgende Symptome verursachen: Kribbeln, Gefühlsstörung, oder Muskelschwäche in den Händen, Gehstörung (Schwierigkeit, die Beine zu kontrollieren), Blasenentleerungsstörung. Am besten kann ein enger Halswirbelkanal mit einer Kernspinresonanz („MRI“) nachgewiesen werden. Empfohlen wird die operative Erweiterung des Wirbelkanals beim Auftreten obiger Symptome; bei der Operation wird dem Rückenmark wieder genügend Platz verschafft, wodurch ein Fortschreiten der Symptome verhindert und häufig eineVerbesserung der Funktion erreicht wird.

Was ist eine Zyste im Wirbelkanal?

„Gelenkzysten“ sind gutartige Bindegewebs-Ausstülpungen aus den Wirbelgelenken in den Wirbelkanal hinein, vor allem im Bereiche der Lendenwirbelsäule, ausgehend von abgenützten Wirbelgelenken. In rund 1/3 aller Gelenkzysten zeigt sich auf gleicher Wirbelhöhe ein degeneratives Wirbelgleiten (Vorrücken des oberen auf dem unteren Wirbel), was eine gewisse Instabilität zwischen den beiden Wirbeln und damit eine besondere Anfälligkeit auf Zystenbildung bedeutet. Gelenkzysten produzieren Symptome wie bei einer Diskushernie (siehe weiter oben) und werden mittels MRI oder CT nachgewiesen. Gelenkzysten können sich spontan etwas vergrössern und verkleinern, eine spontane und bleibende Rückbildung wird allerdings höchstens bei Kindern und Jugendlichen beobachtet. Als konservative Behandlung bei Erwachsenen ist aus diesem Grunde nur ein begrenztes Zuwarten sinnvoll; gezielte Kortisonspritzen in das abgenutzte Wirbelgelenk können unter Umständen die Symptome für einige Wochen oder Monate lindern, lösen aber das Problem meistens nicht. Grundsätzlich ist daher bei mehrwöchig anhaltenden Beschwerden oder bei einer Kraftverminderung die mikrochirurgische Zysten-Entfernung ratsam. Unter dem Operationsmikroskop wird dabei die Gelenkzyste vollständig von den umliegenden Nervenwurzeln abgelöst und entfernt, was bei unkompliziertem Verlauf zur Beschwerdefreiheit führt.

Was ist ein Wirbelgleiten?

Beim Wirbelgleiten schiebt sich ein Wirbel über dem darunterliegenden Wirbel nach vorne, in der Regel in der unteren Lendenwirbelsäule. Das Wirbelgleiten verursacht oft bewegungsabhängige Kreuzschmerzen sowie Schmerzausstrahlung in die Beine. Bei leichten Verlaufsformen mit ausschliesslich Kreuzschmerzen sollte eine intensive physikalische Therapie durchgeführt werden. Bei ausgeprägten Symptomen  ist die operative Stabilisation sehr wirksam.


Was ist eine abnützungsbedingte Wirbelsäulen-Verkrümmung („degenerativeSkoliose“)?

Bei einer degenerativen Skoliose handelt es sich um eine Fehlform, bei der die Lendenwirbelsäule zur Seite hin verkrümmt ist. Sie entwickelt sich im Erwachsenen-Alter als Folge einer zunehmender Abnützung der Bandscheiben. Oft kommt es schliesslich zur Einengung des Wirbelkanals, und bewegungsabhängige Kreuzschmerzen sowie Schmerzausstrahlung in die Beine können auftreten. Bei leichten Verlaufsformen mit ausschliesslichen Kreuzschmerzen sollte eine intensive physikalischeTherapie durchgeführt werden. Bei ausgeprägter Symptomatik kann eine Erweiterung des oft verengten Wirbelkanals und allenfalls eine Versteifungsoperation indiziert sein.

Was ist ein Osteoporose-Bruch eines Wirbelkörpers?

Mit zunehmendem Alter nimmt die Knochendichte in den Wirbelkörpern ab („Osteoporose“), insbesondere bei Frauen nachder Menopause. Dabei kann es durch ein relativ harmloses Trauma oder sogar spontan zu einem Wirbel-Einbruch kommen. Lokale Schmerzen und Einschränkung der Körperbeweglichkeit sind die Folge.
Die meisten solcher Osteoporose-Brüche verheilen spontan innert 4-8 Wochen nach vorübergehender Schonung und Schmerzmittel-Einnahme, in einigen Fällen aber kommt es zu keiner relevanten Verbesserung; dann kann das Einspritzen von Knochenzement in den Wirbelkörper über kleine Hautschnitte eine massive Beschwerdeverbesserung bewirken.

Was ist ein Wirbelsäulen-Tumor?

Ein Wirbelsäulen-Tumor ist eine äusserst seltene gutartige oder bösartige Geschwulst in der Wirbelsäule. Langsam zunehmende lokale Schmerzen sowie je nach Lokalisation langsam zunehmende neurologischeAusfälle (Gefühlsstörung, Schwäche in Arm oder Bein, Blasenentleerungsstörung) sind typische Manifestation eines Wirbelsäulen-Tumors. Die Behandlung eines Wirbelsäulen-Tumors richtet sich nach dem vermuteten Gewebetyp, seiner Lokalisation, und nach derGrundkrankheit, wenn es sich um Ableger („Metastasen“) handelt. Grundsätzlichgeht es darum, das Rückenmark und die Nervenwurzeln vom allfälligen Druck durchdas Tumorgewebe zu entlasten, und die Stabilität der Wirbelsäule zu erhaltenoder wiederherzustellen. Eine interdisziplinäre Fallbesprechung zwischen Onkologen(Tumorspezialisten), Radioonkologen (Strahlentherapeuten), und Wirbelsäulenchirurgen ist grundsätzlich angezeigt, um die Behandlungsmöglichkeiten durch Bestrahlung, Chemotherapie, und Chirurgie zuerwägen.

Was ist ein „Bechterew“ der Wirbelsäule?

Beim Morbus Bechterew handelt es sich um eine chronisch-entzündliche Krankheit, bei der zuerst die Iliosakralgelenke, dann in der Regel auch die Wirbelsäule langsam fortschreitend einsteifen. Bewegungs- und medikamentöse Therapien stehen im Zentrum der Behandlung. In seltenen Fällen kann es aufgrund der erhöhten Knochenbrüchigkeit zu Wirbelbrüchen kommen, die dann einer chirugischen Stabilisierung bedürfen.

Was ist die „chronische Polyarthritis“ an der Wirbelsäule?

Bei der chronischen Polyarthritis handelt es sich um eine chronisch-entzündliche Krankheit, bei der sehr häufig die Halswirbelsäule mitbefallen ist. Dabei entsteht oft eine Instabilität zwischen dem ersten und zweiten Halswirbelkörper, welche Nacken- und Hinterkopfschmerzen, aber auch einen Druck auf das Rückenmark ausüben kann. Bei leichter Instabilität kann eine gezielte physiotherapeutische Behandlung die Symptome kontrollieren, bei fortgeschrittener Instabilität ist die chirurgische Stabilisierung zu empfehlen.

Welche Tipps gibt es zum „Rücken-gerechten“ Leben im Alltag?

  • Sitzen Sie optimal, d.h. in aufrechter Haltung, machen Sie immer wieder Positionswechsel
  • Schlafen Sie optimal: vermeiden Sie eine weiche Matraze oder Bettrost, vermeiden Sie die Bauchlage wenn möglich
  • Vermeiden Sie abrupte Dreh- oder Aufrichtbewegungen
  • Heben Sie Lasten nah am Körper
  • Vermeiden Sie Arbeiten über Kopfhöhe, nehmen Sie stattdessen lieber eine Leiter
  • Bleiben Sie resp. werden Sie körperlich aktiv